Es ist das Jahr 2012. Und es ist Ostern. In Rom hat der Papst gerade seinen Segen über das Land ausgesprochen und in seiner Ansprache wieder mal zu Frieden in der Welt aufgerufen. Im Fernsehen werden, wie üblich zu christlichen Feiertagen, die alten Römer-Filme wieder aus dem Archiv geholt. Die digital aufgehübschte Fassung von “Ben Hur” vermittelt in bester Qualität das Bild der damaligen Welt und erweckt den Eindruck, die bibliche Geschichte fast als historische Dokumentation zu erleben.

Und noch eine Nachricht ging heute über die Sender. Israel hat den Schriftsteller Günther Grass zur “persona non grata” erklärt. Er dürfe somit künftig nicht mehr in dieses Land einreisen. Und warum? Weil Grass vor einigen Tagen ein “Gedicht” veröffentlicht hatte, in dem es um Israel, den Iran, die Atombombe und die Frage ging, wer den Weltfrieden bedroht. Irgendwie doch seltsam. Da sind nun mehr als 2000 Jahre vergangen und doch hat sich die Menschheit nicht entscheidend weiterentwickelt. Damals marschierten römische Legionen auf, heute versprechen Rüstungskonzerne die Überlegenheit dank modernster Waffen. Wenn überhaupt eine Entwicklung stattgefunden hat, so nur dahin gehend, dass früher Regionen, heute die ganze Welt vernichtet werden kann.

Eine Entwicklung hat also stattgefunden. Aber eben nur eine Entwicklung auf technischer Seite. Der Mensch an sich ist leider in vielen Fällen geistig noch immer auf dem kriegerischen und egoistischen Niveau wie vor 2000 Jahren. Noch immer beharren beschränkte Geister darauf, dass ihr Gott, ihr Glaube der einzig Wahre ist. Noch immer bedrohen Menschen einander, nur weil sie in anderen Ländern leben. Und wie immer ist es die gleiche Problematik, wie die Frage, ob zuerst das Huhn oder das Ei dagewesen ist. Da gibt es ein von der Größe, der Bevölkerungsanzahl und der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit global völlig unbedeutendes Land namens “Israel”. Und doch strahlt gerade dieses Land eine Schein-Bedeutung aus, die den Weltfrieden gefährden kann. Die arabisch-islamische Welt hat diesen “jüdischen” Staat zum Feind erklärt. Und gerade iranische Hardliner fordern in flammenden Reden zur Vernichtung Israels auf. Und natürlich wollen sich diejenigen, die mit Israel endlich ihr “gelobtes Land” gefunden haben wollen, ihr erobertes Territorium nicht gefährden lassen.

Ein etwas distanzierter Betrachter könnte über diesen archaischen Konflikt von Geistern, die im Denken der Römerzeit stehen geblieben sind, eigentlich nur den Kopf schütteln. Eigentlich, wenn die politische Ausstrahlung nicht weit über die direkt betroffene Region hinaus gehen würde und wenn nicht die Gefahr bestünde, dass modernste Waffentechnik einen Flächenbrand entzünden könnte, der die ganze Welt bedrohen kann. Eigentlich aber auch, weil selbst die sogenannten “Großmächte” der Welt in ihrer geistigen Entwicklung noch nicht entscheidend weiter gekommen sind. Eigene Machtansprüche und egoistische politische Ziele verhindern eine wirksame Intervention. Die Erdkugel hat sich in den vergangenen 2000 Jahren zwar viele Male gedreht, die Technik hat eine völlig neue Evolutionsstufe erreicht, sogar politische System haben sich in weiten Teilen der Welt weiterentwickelt, nur die Denk-Kathegorien der Menschen sind wohl größenteils unverändert weitervererbt worden. Natürlich gibt es auch eine, zum Glück, immer größer werdende Zahl von Menschen, die anfangen, sich von diesen historischen Denkmustern zu befreien, aber sie sind leider noch in der Minderzahl und sind der Masse der Ewig-Gestrigen ziemlich hilflos ausgeliefert. Eine Insel der Friedfertigen ist auf einem kriegerischen Globus mit Nuklearwaffen leider nicht denkbar.

Und so werden die Machtphantasien Weniger und die Religionskonflikte der geistig Unfreien eben global zum Problem Aller. Der Einzelne ist dem System, der Masse der Dummheit leider ziemlich hilflos ausgeliefert. Ja, sogar als Friedfertiger fängt man irgendwann an, nach einer Macht zu rufen, die Frieden erzwingen soll. Und hier beißt sich die Katze in den Schwanz. Man kann Frieden nicht erzwingen. Man kann vielleicht mit einer Bedrohung einen Waffeneinsatz unterbinden, man kann vielleicht streitende Parteien trennen, aber ein friedliches Denken kann man leider nicht erzwingen. Und menschliche Denkstrukturen, Vorurteile und Prägungen lassen sich leider auch nicht mit den besten Argumenten schlagartig verändern. Erkenntnisse brauchen eben Zeit. Man kann nur Anstöße geben und ggf. selbst ein gutes Beispiel vorleben. Erzwingen kann man richtiges oder logisches Denken nicht.

Es beginnt also im eigenen Kopf. Es fängt damit an, sich selbst Fragen zu stellen. Es erfordert, sich von eigenen Denkschranken zu befreien. Man muss bereit sein, Dinge, die scheinbar selbstverständlich sind, zu hinterfragen. Man muss Bestehendes und Zusammenhänge zunächst für sich erkennen, um hieraus Schlüsse ziehen zu können. Ein Problem hierbei ist, sich dabei von den Vorgaben Anderer auch mal gedanklich lösen zu können. Denn, wer vom gleichen Ausgangspunkt immer nur den gleichen (Denk-) Pfad geht, wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch immer am gleichen Punkt ankommen, zum gleichen Ergebnis gelangen.

Und die Problematik beginnt bereits mit den verwendeten Begriffen. Wenn zwei Menschen das gleiche Wort verwenden, so ist dieser verbale Ausdruck in deren Köpfen jedoch unterschiedlich verknüpft und mit Erinnerungen und Werten verbunden. Nur so wird erklärbar, dass identische Begriffe bei unterschiedlichen Menschen teilweise zu völlig anderen Denkprozessen führen. Es wäre somit hilfreich, sich selbst zunächst klar zu werden, was man persönlich unter einem Begriff versteht und mit welchen Anschauungen man diesen verknüpft.

Dies sollte doch im Prinzip eine leichte Übung sein. Man weiß doch, wovon man redet. Jeder denkt doch, er wisse, wie er selbst denkt. Umso überraschter war ich, als ich bei einigen Begriffen jedoch feststellen mußte, dass ich diese zwar verwende, deren Bedeutung jedoch nicht klar beschreiben kann. So ist, sowohl bei der Berichterstattung über das Gedicht von Günther Grass, aber auch in der gesamten Darstellung der Nahost-Problematik immer von “den Juden” die Rede. Und plötzlich habe ich ein Problem. Ich weiß überhaupt nicht, was “Juden” überhaupt sind oder nach den Darstellungen Anderer sein sollen. Es gab im Deutschland der Hitler-Diktatur eine “Juden-Verfolgung”. Aber selbst im angesprochenen Spielfilm “Ben Hur” wird bereits der Begriff “Jude” in der Römerzeit von vor 2000 Jahren verwendet. Und wenn einem Autor eines Gedichts “anti-semitisches” Denken vorgehalten wird, stoße ich an eine Verständnisgrenze. Der gespeicherte Sprachschatz übersetzt zwar “anti-semitsich” noch in “anti-jüdisch”, dann aber komme ich nicht mehr weiter. Gegen wen oder was soll der Autor eigentlich sein? Oder ist er gar schon deswegen “anti”, weil er nicht uneingeschränkt “pro” ist? Doch selbst diese Umkehrung hilft mir nicht weiter. Wer sind denn diese “Juden”, die nicht diskriminiert werden sollen?

Geht es um den Staat Israel? Wohl kaum. Dieses Gebietskonstrukt gibt es doch erst seit Kurzem. Eine Abgrenzung oder Definition, wer als “Jude” gelten soll ist über die Staatsangehörigkeit zu Israel nicht möglich. Aber was kennzeichnet dann einen “Juden”? Ist es dessen Glaube, seine Religion? Irgendwie auch nicht. Sonst könnte ja jeder, der diesen Glauben annimmt, zum “Juden” werden. Und wer aus der Religionsgemeinschaft austritt, also Christ, Moslem, Buddist, Hinduist oder gar Atheist wird, wäre fortan kein “Jude” mehr? Das “Juden-Problem” also ein Religions-, ein Glaubensproblem? Oder bezeichnet “Jude” eine Rasse? Dann müsste es doch genetische Merkmale geben, die wissenschaftlich nachweisbar sind. Völlig losgelöst von der Frage, ob eine Ungleichbehandlung auf Grund eines Rasse-Merkmals zu rechtfertigen wäre, zumindest wäre irgendwie abgrenzbar, wer denn nur “Jude” ist und wer nicht. Primitiv vereinfacht könnte man sagen “Wer schwarze Haut hat, ist ein ‘Neger’.”, aber woran erkennt man einen “Juden”?

Und da ist es wieder, mein Juden-Problem. Wie soll oder kann ich beurteilen, ob ein Gedicht “anti-jüdisch” ist, wenn mir noch nicht einmal klar ist, was “Juden” überhaupt sind oder sein sollen. Wenn ich selbst nicht als “anti-semitisch” gelten will, was darf ich dann nicht sagen oder schreiben? Gegen wen darf ich nicht argumentieren? Wer muss von Kritik ausgenommen werden, um nicht den Vorwurf der Diskriminierung zu riskieren? Einmal abgesehen davon, dass mich Kritik gegen die Politik Chinas nicht gleich pauschal einer “anti-chinesischen” Diskriminierung verdächtig macht oder mich eine Gegenmeinung zu einer dunkelhäutigen Gruppe zum Rassisten abstempelt, bei dem Damoklesschwert des “Anti-Semitismus” ist mir noch nicht einmal klar, wer hier eigentlich einen besonderen Schutz genießen soll.

Darf man die Politik Israels nicht kritisieren? Bödsinn. Würde einen derartige Kritik zum “Anti-Semiten” machen, man müsste fast stolz sein, mit diesem “Titel” bedacht zu werden. Nach meiner Überzeugung darf man z.B. die Siedlungspolitik Israels nicht nur kritisieren, man muss es. Oder darf man den Glauben an alttestamentarische Götter nicht auf den Prüfstand stellen? Werden Religion und Glaube zur denkfreien Zone erklärt? Wird man zum “Anti-Semiten”, wenn man eine vor mehr als 2000 Jahren stehengebliebene Lebensanschauung in Frage stellt? Erneut komme ich zu dem Ergebnis: Man kann nicht nur, muss muss sogar. Verbleibt einzig der Aspekt der Besonderheit als Rasse. Aber worin soll dieser bestehen? Wie kann ich die “Juden” erkennen, die ich nicht angreifen darf, um nicht als “Anti-Semit” zu gelten? Sie haben keine andere Haut- oder Haarfarbe, sie haben kein körperliches Merkmal, an dem sie erkennbar wären.

Ich habe somit ein Problem mit dem Begriff “Jude”. Ich kann ihn weder definieren, noch erkennen oder gar von anderen Menschen unterscheiden. Und bereits der Versuch, eine Begriffsbestimmung zwecks Abgrenzung zu finden, erzeugt in mir ein weiteres Problem. Für mich sind Menschen Menschen. Sie haben vielleicht unterschiedliche Rassen, sind groß oder klein, klug oder dumm, stark oder schwach, leben in verschiedenen Staaten und sprechen unterschiedliche Sprachen, aber alle sind Menschen. Und irgendwie wehre ich mich innerlich, nach Trennendem überhaupt suchen so sollen oder gar zu müssen. Auf der Welt leben Milliarden Menschen und keine zwei sind völlig identisch. Unterschiedlichkeit ist somit das Natürlichste auf der Welt. Welchen Sinn soll es machen, krampfhaft noch nach zusätzlichen Unterscheidungskriterien zu suchen? Mir ist völlig egal, ob jemand in Deutschland oder Israel wohnt. Mir ist völlig gleichgültig, ob er an einen Gott glaubt und wenn ja, wie er diesen nennt. Und warum sollte ich Menschen nach Rassen unterscheiden, wenn ich denkbare Unterschiede noch nicht einmal erkennen kann?

Wenn mich an Menschen etwas stört, dann niemals der Mensch an sich, sondern immer nur ein konkretes Handeln. Mich stört nicht die Religion Anderer, mich stört jedoch, wenn mir diese einen Glauben verkaufen oder aufzwingen wollen. Mich stört, wenn ich mich so verhalten soll, wie es “Gläubige” als “richtig” erklärt haben. Wer Religionsfreiheit einfordert, muss auch selbst Religionsfreiheit gewähren. Aber mit dieser Kritik an religiöser Intolleranz endet auch schon mein Problem mit differenzierbaren Gruppenmerkmalen. Natürlich gibt es auch ansonsten noch viel Kritik-Potential. Beim näheren Betrachten handelt es sich hierbei jedoch durchgängig um systemische Probleme oder um individuelles Machtstreben.

Es spielt doch keinerlei Rolle, welcher Rasse ein Mensch angehört oder wo auf dem Globus er lebt. Wer versucht, Menschen nach willkürlichen Gesichtspunkten zu differenzieren, tut dies letztendlich immer nur aus Eigennutz. Diejenigen, die geistig nicht auf dem Niveau von vor 2000 Jahren stehengeblieben sind, würden eher nach Verbindendem, statt nach trennenden Merkmalen suchen. Wer von einer friedlichen Welt träumt, muss Menschen zusammen bringen. Und er muss dazu beitragen, geistige Scheuklappen abzubauen. Nur machthungrige Egoisten haben Angst davor, dass Menschen frei denken lernen. Nur diejenigen, die wissen, dass ihre Privilegien und Vorurteile einem logischen Denken nicht stand halten würden, berufen sich auf Tabus und Denkverbote.

Wer sind denn diejenigen, die ein Gedicht als “anti-semitisch” abwerten wollen? Warum setzen sich diese nicht mit dem Inhalt auseinander? Weil sie wissen, dass sie im Unrecht sind. Ihnen fehlen die nachvollziehbaren Sachargumente. Ihnen fehlt die Überzeugungskraft. Sie müssen sich in pauschale Vorurteile retten. Sie versuchen, Menschen zu trennen. Das ist Rassismus, das ist Diskriminierung.

Und mir soll ein Problem eingeredet werden, das ich zuvor überhaupt nicht hatte. Ich soll einen Text danach beurteilen, ob dieser “anti-semitisch” ist, obwohl ich überhaupt nicht weiß oder abgrenzen kann, was dies bedeuten soll. Durch plumpe Agitation soll ich dazu gebracht werden, pauschal Mitleid mit einer Gruppe zu entwickeln, die ich noch nicht ein´mal bestimmen kann. Und welches Leid dieser Gruppe durch ein Gedicht, durch einen Text angetan werden könnte, bleibt ebenfalls im Hintergrund verborgen. So richtig oder falsch eine Kritik auch sein mag, die Gefahr für das friedliche Miteinander der Menschen liegt weniger im Aufwerfen von Fragen, sondern eher in dem geforderten Schweigegebot. Die wirkliche Gefahr liegt in den Menschen, die versuchen, andere Menschen zu differenzieren und Vorurteile zu schüren.

Jeglicher Konflikt auf politischer Ebene beginnt damit, dass versucht wird, Freund und Feind zu unterscheiden und abzugrenzen. Und genau hier beginnt die Macht jedes Einzelnen. Wir dürfen uns einfach nicht mehr so leicht pauschalieren und in Feindgruppen trennen lassen. Nur wenn die Masse als willige und dumme Herde den Agitatoren folgt, ist der Friede in Gefahr. Noch nie haben Bürger oder Soldaten Kriege begonnen. Es waren immer Kaiser, Könige und andere “Führer”, die zunächst ein Feindbild aufbauten und dann über die folgsame Massen verfügten. Vielleicht habe ich also doch kein Problem mit “Juden”. Ich weiß ja gar nicht, wer das überhaupt sein soll. Und ich gedenke nicht, mich von Egoisten anstacheln zu lassen, unnötig und unsinnig in Menschen-Gruppen zu denken. Und wenn jetzt jemand behauptet, ich sei “anti-semitisch”, so werde ich einfach mit diesem nichtssagenden Etikett leben müssen.

So, 08.04.2012, 23:34 Uhr

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Bisher 2 Kommentare zum Artikel

  1. Kommentar von Stefan Wehmeier

    1) Der kämpfende Pazifist, der sich der Größe seiner Aufgabe bewusst ist, wird keinen Unterschied machen zwischen Bürger- und Völkerkrieg, zwischen äußeren und inneren Feinden. Für ihn gibt es nur einen Krieg, nur einen Frieden. Mit gleicher Macht erstrebt er den Frieden nach innen wie nach außen.

    2) Der Pazifist, der tiefer in die Beweggründe der Kriege schaut, geht noch einen Schritt weiter in der Beurteilung des Bürger- und Völkerfriedens und sagt, der Kriegsgeist, der Geist der Gewalt, ist ein Kind des chronischen bürgerlichen Kriegszustandes, der die Eingeweide aller Kulturvölker zerreißt. Wer diesen Geist bekämpfen will, muss ihn in erster Linie als Bürger im eigenen Lande bekämpfen. Der Weg zum Völkerfrieden geht über den Weg des Bürgerfriedens und nicht umgekehrt.

    3) Das, was die Völker und Volksklassen in Waffen gegeneinander treibt und immer getrieben hat, sind Dinge wirtschaftlicher Natur, die Notzustände schaffen oder vorherrschen lassen, und für diese Zustände gilt das Gesetz: NOT KENNT KEIN GEBOT. Die Not bricht nicht nur Eisen, sondern auch Verfassungen, Verträge und Bündnisse und setzt sich über alle moralischen, ethischen und religiösen Hemmungen hinweg. Nichts ist schließlich der Not heilig als der Kampf gegen ihre Ursachen.

    4) Auf die Beseitigung solcher Notzustände hat also der ernsthafte Friedenskämpfer sein Augenmerk zu richten, unbeschadet seiner etwaigen Überzeugung, dass der Frieden oder wenigstens der Friedenswunsch mit moralischen, religiösen und ethischen Mitteln auch noch gefordert werden könne.

    5) Der Notzustand, der zu den Kriegen treibt, hat wenigstens bei den heutigen Industrie- und Handelsvölkern seinen Grund nicht in einem naturgegebenen Mangel an Industrie- und Nährstoffen, sondern in unseren gesellschaftlichen Einrichtungen, die die Produktion und den Austausch beherrschen und die Arbeit tributpflichtig machen, wobei der Umstand noch erschwerend wirkt, dass zur Sicherung dieses Tributes der Produktion und dem Tausch Hemmungen bereitet werden müssen, die zu Krisen und Arbeitslosigkeit führen. Die gesellschaftlichen Einrichtungen, um die es sich da handelt, sind das Privateigentum an Grund und Boden und das herkömmliche, aus dem Altertum in unveränderter Gestalt von uns übernommene Geldwesen, dessen Mängel immer offensichtlicher geworden sind. Grund- und Geldbesitzer fordern Zins, sonst sperren sie der Produktion den Boden und dem Austausch der Produkte das Geld. Dieser Zins überträgt sich automatisch auf das gesamte Wirtschaftsleben und schafft das, was als Kapitalismus bezeichnet wird.

    Silvio Gesell (Stabilisierung des Bürger- und Völkerfriedens, 1928)

    Erst die Religion machte die halbwegs zivilisierte Menschheit “wahnsinnig genug” für die Benutzung von Geld, damit das, was wir heute “moderne Zivilisation” nennen, überhaupt entstehen konnte.

    Für den eigentlichen Beginn der menschlichen Zivilisation bedarf es der Überwindung der Religion (Erkenntnisprozess der Auferstehung): http://www.deweles.de/willkommen.html

  2. Kommentar von VWB

    Ich kann ihrer Darstellung nur absoluut beistimmen.
    - Zum Thema Juden kann ich nur kurz eine Behauptung aufstellen..
    .. Nicht Nationalität, Glaube Statsbürgeschaft, einer Preson bestimmt, ob Sie für die Menschliche Gemeinschaft ein “förderendes oder zerstürerisches” Mitglied ist…..
    Genau mag ich auch keine Aussage machen, aber die “Bildung” ist vermutlich das wichtigste… Gene mögen auch eine Rolle spielen.

    Wolfgang

    p.s. es waren Juden die meiner Familie nach 1945 materiell geholfen haben, zu überleben, obwohl wir “Deutsche” sind….

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